{"id":526,"date":"2006-08-03T19:29:59","date_gmt":"2006-08-03T17:29:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einhornev.de\/cms\/2015\/06\/09\/sommermorgen\/"},"modified":"2015-06-20T22:36:14","modified_gmt":"2015-06-20T20:36:14","slug":"sommermorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einhornev.de\/cms\/2006\/08\/03\/sommermorgen\/","title":{"rendered":"Sommermorgen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe gerade die T\u00fcren unseres H\u00e4uschens ge\u00f6ffnet und es mir &#8211; mit Kaffee und Zigarette bewaffnet &#8211; auf einem Gartenstuhl bequem gemacht. Ich m\u00f6chte die ersten Sonnenstrahlen genie\u00dfen, bevor die gro\u00dfe &#8222;Raubtierf\u00fctterung&#8220; beginnt. Vor mir auf dem Rasen strecken sich g\u00e4hnend die Hunde, rollen sich die Katzen wohlig im noch feuchten Gras, der freche Rabe Moon springt von einem zum anderen, pieckt hier in den Po und zuppelt dort am Schwanz.<\/p>\n<p>Die drei H\u00e4hne nehmen unter dem Busch das erste Sandbad und die beiden Kitze knabbern sehr w\u00e4hlerisch und gen\u00fc\u00dflich ganz nach Rehmarnier an Halmen und Kr\u00e4utern, um gleich darauf wie ge\u00f6lte Blitze durch den Garten zu schie\u00dfen. Auch die gestern frei gelassene Elster Szu-Szu ist wieder da, l\u00e4uft aufgeregt zwischen all den Tieren hin und her und macht lautstark darauf aufmerksam, da\u00df sie nun wirklich langsam Hunger hat.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch Geronimo, unser tapferes &#8222;Schiefhalskaninchen&#8220;, der ganz offensichtlich nicht so recht wei\u00df, wie die spielerische Umarmung von Katerchen Nanuk gemeint ist. Ich schnappe mir Nanuk und er wird zwangsgekuschelt, damit sich Geronimo in Ruhe \u00fcber den Klee hermachen kann.<\/p>\n<p>Ja, ich habe das Gl\u00fcck, mit vielen Tieren leben zu d\u00fcrfen und das ist es, was ich immer wollte. Doch nie h\u00e4tte ich es f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, so viele verschiedene Arten in friedlicher Eintracht um mich haben zu k\u00f6nnen. Denn &#8211; so freundlich und friedfertig sie hier auch alle sind &#8211; ich wei\u00df, da\u00df einige durchaus das Potential zum T\u00f6ten haben, da\u00df hier auch &#8222;nat\u00fcrliche Feinde&#8220; miteinander leben.<\/p>\n<p>Und gerade deshalb habe ich die gr\u00f6\u00dfte Hochachtung vor diesen Gesch\u00f6pfen, die einander respektieren, den nicht sehr gro\u00dfen Lebensraum miteinander teilen, immer wieder Neuank\u00f6mmlinge freundlich aufnehmen, auch wenn es sich um Arten handelt, die sie noch nicht kennen, die eigentlich Nahrung f\u00fcr sie bedeuten, mit denen sie nicht kommunizieren k\u00f6nnen und mit denen sie nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Menschen teilen, sondern an die sie diese anfangs sogar g\u00e4nzlich abtreten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und wenn jemand sehr krank ist, wie jetzt gerade das Kitz Ayleen, dessen Leben \u00fcber eine Woche lang am seidenen Faden hing, und eine Rundumbetreuung n\u00f6tig ist, dann kommen alle anderen h\u00e4ufig sehr zu kurz. Doch es gibt keine Eifers\u00fcchteleien, keine Bosheiten, keine Seitenhiebe. Als h\u00e4tten alle Verst\u00e4ndnis und machten sich ebenfalls Sorgen, werden auch solche Zeiten geduldig mitgetragen.<\/p>\n<p>Und ich frage mich leise, warum wir Menschen das nicht hinbekommen? Was ist bei uns schief gelaufen, da\u00df sogar unsere eigene Art nicht vor uns sicher ist, wir in unserer Grausamkeit und Gleichg\u00fcltigkeit nicht einmal vor den eigenen Kindern halt machen? Und den Kindern anderer Tiere in unserer Gier nach ihrem Fleisch ohne Skrupel die schlimmsten Qu\u00e4lereien zumuten, sie von ihren M\u00fcttern trennen, sie in Angst und Schrecken versetzen und unger\u00fchrt ihr Wehklagen \u00fcberh\u00f6ren? Was sind wir Menschen f\u00fcr eine sonderbare Spezies, die immer nur auf das eigene Wohl bedacht ist &#8230; aber dennoch blind und mit unglaublicher Energie daran arbeitet, auch den eigenen Lebensraum zu zerst\u00f6ren?<\/p>\n<p>Eine Spezies, die sich unvermindert vermehrt, ja, sich gegen alle anderen Arten r\u00fccksichtslos ausbreitet und dabei nicht erkennt, da\u00df unser Globus nicht noch mehr von uns verkraften kann? Und ja, eine Spezies, die einfach keinen Frieden geben kann, nicht mit der eigenen Art, nicht mit der Natur und am allerwenigsten mit unseren Mitgesch\u00f6pfen. Eine Spezies, die bei aller hochentwickelten Intelligenz das Wichtigste verlernt hat: Respekt!<\/p>\n<p>D\u00fcstere Gedanken f\u00fcr einen herrlichen Sommermorgen, aus denen mich das Spielgefiepe der Rehkitze rei\u00dft. Mein Blick f\u00e4llt wieder auf die friedliche Gemeinschaft der vielen so unterschiedlichen Tiere um mich herum &#8230; ja, Respekt! &#8222;So, Kinners, und nun wird gefr\u00fchst\u00fcckt!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gerade die T\u00fcren unseres H\u00e4uschens ge\u00f6ffnet und es mir &#8211; mit Kaffee und Zigarette bewaffnet &#8211; auf einem Gartenstuhl bequem gemacht. Ich m\u00f6chte die ersten Sonnenstrahlen genie\u00dfen, bevor die gro\u00dfe &#8222;Raubtierf\u00fctterung&#8220; beginnt. 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