{"id":513,"date":"2006-12-07T19:29:56","date_gmt":"2006-12-07T18:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einhornev.de\/cms\/2015\/06\/09\/abschied-von-tina\/"},"modified":"2015-06-20T22:34:19","modified_gmt":"2015-06-20T20:34:19","slug":"abschied-von-tina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einhornev.de\/cms\/2006\/12\/07\/abschied-von-tina\/","title":{"rendered":"Abschied von Tina"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann es nur sein? Heute morgen haben wir noch im Bett gekuschelt, sind dann zusammen aufgestanden, haben unseren Tag gemeinsam begonnen. Du warst wie immer, die treueste Freundin, die ich je hatte. Jedes Mal, wenn ich zur T\u00fcr herein kam &#8211; und heute waren es viele Male &#8211; hast Du Dich gefreut, als h\u00e4tten wir uns Monate nicht gesehen.. Doch auch heute habe ich Dich einige Male nur fl\u00fcchtig gestreichelt &#8230; ich war so in Eile. Ganz furchtbar wichtige Dinge mu\u00dften erledigt werden, hier noch ein Telefonat, schnell noch einkaufen, die Post wegbringen, dann noch dies und das und jenes. H\u00e4tte ich gewu\u00dft, da\u00df es unser letzter gemeinsamer Tag werden w\u00fcrde, ich w\u00e4re aufmerksamer gewesen. H\u00e4tte Dich ebenso freudig begr\u00fc\u00dft &#8211; jedes Mal &#8211; wie Du mich.\u00a0H\u00e4tte ich es gewu\u00dft &#8230;<\/p>\n<p>Nun liegst Du dr\u00fcben im Wohnzimmer und ich sitze hier im B\u00fcro und schreibe meine Gedanken auf. Ich w\u00fcrde gern mit jemandem reden, jemandem von Dir erz\u00e4hlen, von den lustigen Ger\u00e4uschen, die Du machtest, wenn Du Dich gefreut hast. Es klang immer wie ein Oink-Oink. Manchmal nannte ich Dich darum mein kleines Ferkelchen. Oder davon, da\u00df Du Dir nach dem Essen zu gern Deine s\u00fc\u00dfe Schnute an meinen Hosenbeinen abgerubbelt hast. Oder davon, wie Du die Hundekinder, die hier zur Pflege waren, wie Deine Kinder behandelt, sie geputzt und besch\u00fctzt hast. Oder davon, wie mir jedes Mal das Herz \u00fcberging, wenn Du in Deinem betagten Alter &#8211; es ist noch gar nicht lange her &#8211; pl\u00f6tzlich vor Lebensfreude losgerannt bist, kleine Bockspr\u00fcnge machtest und irgendwie ein Lachen in Deinem lieben Gesichtchen lag. Und ich w\u00fcrde auch gern jemandem von heute Nacht erz\u00e4hlen, von unserem letzten Abend, von unserem Abschied, Du in meinen Armen. Es tut so weh.<\/p>\n<p>Doch es ist zu sp\u00e4t in der Nacht, um jemanden anzurufen. Hat es das eigentlich jemals gegeben? Du nicht im gleichen Zimmer wie ich? Ja, manchmal. Wenn ich in Gedanken eine T\u00fcr schlo\u00df und Du noch in dem Raum warst. Doch es dauerte nur wenige Sekunden, da fingst Du an zu protestieren. Und wenn ich die T\u00fcr \u00f6ffnete, hast Du Dich lautstark gefreut, mich wiederzusehen. Du warst immer bei mir, wenn Du konntest. Wie oft bin ich fast auf Dich getreten, denn Du warst immer hinter mir. Manchmal war ich genervt deswegen &#8211; jetzt sch\u00e4me ich mich daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Irgendwann gab ich Dir den Kosenamen Rin Tin Tin. Ich wu\u00dfte, da\u00df es diesen Namen wirklich gab, hatte jedoch keine Ahnung, wer sich dahinter verbarg. Heute erst habe ich nachgeschaut: Rin Tin Tin war ein Filmhund in der Rolle eines tapferen Helden. Ich bin erstaunt dar\u00fcber &#8211; wie treffend &#8211; denn wie oft in all den Jahren habe ich gedacht, da\u00df ich niemanden kenne, der so tapfer und mutig ist wie Du. Deine ersten Lebensjahre hast Du in einem dunklen, dreckigen Schuppen verbracht, hast gehungert und gedurstet, hattest nur selten und dann nur schmerzhaften Kontakt mit Menschen, hast nie die Sonne gesehen, nie eine Wiese unter den F\u00fc\u00dfen gesp\u00fcrt. Und so hast Du auch nie richtig laufen gelernt. Du bist immer mehr gehoppelt wie ein Schaukelpferdchen und dabei flogen Deine langen Ohren lustig im Wind. Du hast so viel Schlechtes erlebt in diesen ersten Jahren und Du warst ein einziges B\u00fcndel Angst, als wir uns kennenlernten. Doch Deine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit war noch gr\u00f6\u00dfer als die Angst. Und so bist Du immer wieder \u00fcber die Schatten der Vergangenheit gesprungen, beherzt, mutig und tapfer. Wenn Du keine Heldin warst, wer dann? Du warst mein Sonnenschein, 10 Jahre lang. Und Du wirst es immer bleiben. Du, f\u00fcr die ich nie eine Leine brauchte, die nie etwas anderes wollte, als da\u00df wir zusammen sind. Du, die sich immer freute wie eine Schneek\u00f6nigin, wenn wir etwas zusammen unternahmen, nur Du und ich. Du, die einfach immer da war, gl\u00fccklich und zufrieden, bescheiden und die so unendlich viel Liebe zu geben hatte. Meine Tina, meine geliebte kleine Rin Tin Tin, alles wird nun so sehr viel anders sein &#8211; ohne Dich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann es nur sein? Heute morgen haben wir noch im Bett gekuschelt, sind dann zusammen aufgestanden, haben unseren Tag gemeinsam begonnen. Du warst wie immer, die treueste Freundin, die ich je hatte. 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