Ein zweiter Hund kommt dazu …

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Dieses Thema enthält 6 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Jacqueline Wiesenberg vor 2 Jahre, 5 Monate.

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  • #2084 Antwort

    Wenn man sich einen weiteren Hund in die Familie holt, dann sollte man ein paar Dinge beachten, um dafür zu sorgen, dass das neue Team zueinander findet.
    Dazu gehört vor allem, dass sich für jene, die bereits im Haushalt leben, nicht allzu viel verändert. Keiner sollte von seinem angestammten Platz weichen müssen. Damit sich kein Frust für jene einstellt, die schon vorher da waren, darf man nicht den Fehler begehen,, sich darum zu bemühen, alle Hunde gleich zu behandeln.
    Der Neuankömmling wird sowieso erst einmal schauen, was ihn nun erwartet. Er lässt alles auf sich wirken und schätzt ab, wie die Dinge hier laufen. Alles was er jetzt kennen lernt, wird er als gegeben nehmen.
    So wird z.B. kein Zweifel an sich selbst aufkommen, weil er z.B. nicht auf die Couch darf, während der andere es darf. Er kennt es nicht anders. Er hinterfragt auch nicht, warum wir Menschen hier sitzen dürfen und er nicht. Es ist eben so. Wenn also alle sich weiterhin so verhalten, wie bisher, dann ist es am leichtesten für den Neuankömmling abzuschätzen, wo er steht. Und das sollte erst einmal hinten an der Schlange sein.
    Denn alles, was wir jetzt gestatten, wird später eingefordert, weil es eben nicht anders bekannt ist, seit Ankunft.
    Wir neigen dazu, einen neuen Hund mehr zu „hätscheln“ als gewöhnlich- der Arme- kennt ja noch nix, hat vielleicht sein ersteres Zuhause verloren o.ä.-wir wollen ihm die neue Umgebung so angenehm, wie möglich machen. Aber genau da steckt der Wurm drin. Wie gesagt. Die ersten Eindrücke sind prägend. Und wenn ich nun mit dem Napf hinter dem Hund herlaufe, um ihn zum Essen zu überreden, dann wird er sich irgendwann feiern lassen. Wenn ich jedes Mal, wenn das arme, verlorene Tier flehentlich um sich blickt, darauf zu gehe, um mich zu kümmern, dann wird ganz schnell ein Hund daraus, der kommt, bettelt, die Pfote auflegt, den Kopf auf´s Knie usw. Und wenn wir auf diese Gesten eingehen, weil wir uns freuen, dass der Neue von selber ankommt, dann geben wir ihm bei, und es wird ganz schnell eine Forderung daraus. Er kennt es ja so seit Ankunft-es ist selbstvesrtändlich geworden.
    Ich sage nicht, dass man den Hund links liegen lassen soll-aber man sollte ihn erst einmal viel in Ruhe lassen, ihn mitlaufen lassen, ihm Gelegenheit geben, anzuschauen, wie die gewöhnlichen Abläufe sind, ohne Aufheben zu veranstalten, das später dann ausbleibt.

    Um Streit zwischen den Hunden zu vermeiden, müssen wir unbedingt darauf achten, nicht zu versuchen, alle gleich zu behandeln. Ich verstehe, dass das jeder gerne so tun würde, doch der Ansatz ist allzu menschlich. Es tut dem Hund kein Abbruch, wenn er erst einmal hinten steht, das bedeutet ja nicht, dass man ihn schlecht behandeln soll. Nein, auch seine Rechte müssen gewahrt werden. Man darf dem Ersthund nicht durchgehen lassen, dass er sich an des Neuen Napf bedient, er ihn von seinem zugewiesenen Schlafplatz vertreibt usw.
    Aber die bestehende Rangordnung sollte eisern in der Hand des Menschen liegen und erst einmal keinesfalls gekippt werden.
    Wird der Neue allzu sehr betüddelt, dann wird der Alte eifersüchtig. Der Neuzuwachs bedeutet für ihn eine Einbuße an Lebensqualität, das bedeutet Frust. Ein Neuzugang soll aber für alle toll sein, darum hüten wir die Privilegien des Ersten und erweitern jene des Neuen nach und nach. Das muß man ein bisschen mit Feingefühl lockern, sich erst mal solidarisieren mit den Alttieren.

    Ich empfehle ausserdem auch, den Neuzugang, wenn ein Garten vorhanden ist, nicht gleich mit zu den Spatziergängen zu nehmen. Gemein ? Menschlich gedacht.
    Wildhunde, Wölfe, im Rudel, da hat zur Jagd auch nicht jeder das „Recht“ mitzugehen. Und unser täglicher Ausgang ersetzt die Pirsch, die für unsere Haushunde nicht wirklich stattfindet.
    Lassen wir den Neuen erst einmal zurück-ohne Frage wird er daran zu schlucken haben- dann setzen wir ihm in einer für ihn verständlichen Art ein Zeichen, dass ihm sagt:“Du musst Dich erst einmal etablieren, bis wir ein eingespieltes Team auf eigenem Terrain sind.“
    Das hat den Vorteil ,dass der Neuzugang gleich die Situation kennenlernt, dass nicht immer alle da sind. Es wird nebenbei ein Grundstein fürs Alleinbleiben gelegt.
    Man sollte den Neuen nicht sehr lange alleine schmoren lassen-er soll auch keinen tiefen Frust erfahren, wir wollen es ihm nicht vergällen, aber er lernt so leichter damit fertig zu werden, als wenn wir mit dem Alleinlassen erst nach Wochen beginnen, in denen er gelernt hat, immer mit von der Partie zu sein, und das fordert er dann auch ein. Z.B. durch Heulen an der Haustür o.a.

    Es ist also gar nicht falsch-eher im Gegenteil, wenn wir den Neuankömmling ab und zu mal auflaufen lassen und unseren Ersten bevorzugt behandeln. Natürlich soll aus dem Neuen kein „Aschenputtelchen“ werden !! Was ich hier vertrete, mag für Manchen herzlos klingen. Vielleicht wird deutlich, was ich wirklich meine, wenn ich mal das Beispiel des Kinderzuwachses anführe:
    Kleinkind (4 Jahre) bekommt ein Brüderchen. Ist hin-und-her gerissen zwischen Neugier, Faszination und Eifersucht. Wie bewältigen die Eltern das am Besten ? Sie zeigen dem Kleinen, dass sich für ihn zwar Dinge ändern werden, aber eben nicht zu seinem Nachteil. Von dem, was vorher zur Verfügung stand darf nichts genommen werden. Und der Säugling wächst auch nach und nach in die Gemeinschaft. Der kann ja noch nicht so viel. Wird erst mal nur im Bettchen gehalten, herumgetragen, nimmt sich aber nichts, redet nicht, fordert nicht, beschneidet das Kleinkind nicht in seinen Möglichkeiten. So sollte es auch mit Hunden sein. Natürlich erhält der Säugling eine gehörige Portion Aufmerksamkeit. Diese sollte sich bei den Hunden darin äussern, dass man wach und gezielt Situationen lenkt, dem Neuen etwas beibringt, ohne den Anderen u vernachlässigen.
    Wenn die Hunde sich untereinander in die Wolle kriegen, müssen wir abwägen, ob wir uns einmischen, oder sie sich selbst überlassen. Es gibt Vertreter, die sagen klassisch „Das machen die unter sich aus“
    Das ist aber nicht immer richtig. Im festen Rudel sorgt auch das Alphatier für Ruhe und Ordnung. Ich beziehe mich hier beispielhaft auf die Pizzahunde, die G.Bloch studiert hat. Auch dort ist der Ranghöchste schlichtend zwischen die Streithähne getreten, und zwar immer dann, wenn sich etwas in seinem Umfeld abgespielt hat. Also Fazit; wenn es um die Wahrung der Harmonie geht, ist ein Eingreifen durchaus legitim.
    Wir gestatten den Hunden, sich mitzuteilen, wenn ihnen etwas nicht passt. Die Zähneblecken, das muß auch mal drin sein. Aber bei akuter Drohgeste, schicken wir sie auseinander. Vor allem, wenn sie um Dinge zu streiten, die in unserer Hand liegen-also, wer hier auf´s Sofa darf, bestimme immer noch ich. Wenn von oben einer den anderen anknurrt, fliegt er runter.

    Ich könnte jetzt noch ganz viele, kleine Beispiele zeigen, wann man eingreift, wann nicht, wann man bevorzugt, wann man ignoriert. Das würde hier aber zu weit gehen, denn damit ließe sich ein Buch füllen.
    Aufgrund eines hilfesuchenden Anfrage jedoch habe ich mich veranlasst gesehen, in erster Linier aufzuklären, dass man die Hunde eben nicht gleich behandelt, dass man kein schlechtes Gewissen dabei hat, den Einen demonstrativ dem Anderen vorzuziehen.
    Es gibt auch genug Fälle, da braucht man sich darüber überhaupt nicht den Kopf zerbrechen, da klappt alles gleich gut, doch manchmal ist es nötig, die Dinge nicht sich selbst zu überlassen.
    Wenn noch Fragen dazu bestehen, gebe ich gerne Rat im Einzelfall…

  • #2086 Antwort

    J Tietje

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Wir haben intuitiv vieles richtig gemacht. Nur eine Sache leider nicht. Wir haben seit dem 18.11.2012 auch einen 2. Hund, den wir aus einem Tierheim in Bayern zu uns in den Norden holten. Leider versäumten wir, ihn an das Alleinsein zu gewöhnen. Von Anfang an verfolgt mich unser Neuer auf Schritt und Tritt, egal, ob wir gerade 2 Stunden spazieren waren und er anschließend „einen Berg“ zu fressen bekam. Er sucht ständig meine Nähe. Haben Sie hierzu einen Tipp? Seit einigen Tagen starteten wir einen Versuch mit Bachblüten „Rescue Tropfen“ für die innere Balance.

    • #2088 Antwort

      Das Alleinbleiben beginnt schon mit der Abgrenzung im Haus. Man muß eine Distanz herstellen, die ein ranghoher Hund auch um sich schaffen würde. Auch wenn man im Hause ist, selbstverständlich gelegentlich eine Tür verschließen, beiläufig und selbstverständllich, ohne den Hund zu beachten. Nur ein Hund, der seine Rolle als rangniederer nicht wirklich annimmt, macht Terz, weil er mit dem Rudel mit will. Oder er hat Verlustängste, auch die baut man ab, indem man demonstriert, daß eine Abgrenzung nichts ausmacht, weil sie keine langfristige Veränderung herbeiführen. Die Begrüßungsarie zu unterlassen ist auch wichtig.
      Das ist im Grunde zu umfangreich hier, weil es in eine Problemanalyse geht, ich kann hier pauschal nicht antworten, weil wir die Ursache für sein Verhalten nicht kennen.
      Da der Hund offenbar jetzt „im Norden“ zuhause ist, läßt sich ja vielleicht ein Besuch arrangieren, zumindest aber ein Telefonat.
      Hierzu bitte eine mail direkt an Einhorn und die Nr. hinterlassen, danke, viele Grüße!

    • #2090 Antwort

      Kanter

      Hallo wir bekommen ein 2 hund aus der Tötungstation. Meine Frage wenn der neue Hund zu uns ins Haus kommt soll man die 2 einfach machen lassen oder was genau wäre am besten. Wir haben Angst etwas falsch zumachen.Würde mich über viele Tips freuen.

  • #2094 Antwort

    Gast

    Danke für den super Artikel. Wir haben vor 4 Tagen einen 2.Beagle (4 Jahre alt) angeschafft. Unser Ersthund (auch Beagle 5 JAhre seit 3 Monaten bei uns) knurrt den anderen dauernd an.Er lässt ihn nicht ins Wohnzimmer und wenn er an ihm vobei geht fällt er ihn an.Ich geh immer dazwischen und schicke den Stänkerer Weg aber ich weiß nicht ob das so richtig ist .. Ich könnte den 2. jederzeit zurückbringen das will ich aber wirklich nicht tun müssen nur weil der gnä Herr einen auf Macho machen muss 😉 Der 2. Hund ist noch nicht kast.Wir haben nächste Woche einen Termin kann es daran liegen? Fragen über fragen . Viele Grüße

  • #2092 Antwort

    Hallo,
    eigentlich ist dem Artikel nicht mehr viel hinzu zu fügen, ausser daß ich nochmal betone, daß der erste Eindruck zählt. Die Hunde einfach machen zu lassen signalisiert ihnen, daß es Euch egal ist, was sie treiben. Aber Ihr solltet gleich strikt klar stellen, wer hier was duldet.
    Am Besten geht Ihr mit den Hunden gemeinsam spatzieren, bevor Ihr beide mit ins Haus nehmt. Und wenn Ihr das tut, achtet darauf, deutlich zu machen, daß Ihr den Neuzugang willkommen heißt und im Revier duldet. Unterbindet von Anfang an, wenn Euer erster versucht, hier etwas „klar zu machen“. Damit der Neue aber keine Einschränkung für ihn wird, sondern eine Bereicherung, solltet Ihr aber im gegenzug auch darauf achten, daßder Neue Platz und Fressort usw. des Ersten respektiert.
    Geht auf keinen Fall mit Angst in die Situation. Angst nimmt ein Hund wahr. der Neue ist dadurch gleich verunsichert, und der Alte verknüpft Eure Unsicherheit mit dem Eindringling!
    Hört sich für mich danach an, als gehe es hier um Strassenhunde, die sind in der Regel ja sehr sozialisiert, wenn sie aus einem Rudel kommen. Versucht, locker da ran zu gehen. Nehmt Euch nicht zuviel vor, lasst es auf Euch zukommen und hört auf Euren Intuition, oft sagt der Bauch genau das Richtige.

  • #2104 Antwort

    Es ist ganz schwierig, auf die Entfernung zu sagen, woran es wirklich liegt: Möglicherweise habt Ihr den ersten Auftritt nicht wirklich geregelt, möglicherweise habt Ihr den falschen Partner erwischt.
    Eigentlich sind Beagle sehr gesellige Hunde, doch wenn sie von Anfang an als Einzelhund gehalten werden, haben sie natürlich, wie jeder ander Hund auch, nach einer gewissen Zeit gewisse Ansprüche.
    Ich muß ehrlich sagen, daß ich es auch etwas grenzwertig finde, einem 5 Jahre alten Rüden auf gut Glück einen 4 Jahre alten Rüden vorzusetzen. Das ist schon etwas provolant, möchte ich mal fast sagen. Mit der Kastration (die erst nach etwa 4 Monaten oder gar 6 einen wirklichen Effekt zeigt) wird sich das insofern legen. als daß Euer erster den Neuen nicht mehr als Konkurrent sehen wird, was das Privileg der Fortpflazung angeht, er wird ihn als Rüde nicht mehr für voll nehmen, trorzdem aber das Bedürfnis haben, einen Rang zu vetreidigen und all seine Sachen usw.
    Da Euer erster erst 3 Monate bei Euch ist, ist das vielleicht noch in Bahnen zu lenken, denn das Seine ist ja noch nicht so lange das Seine, jetzt kommt es darauf an, deutlich zu machen, daß das vermeintlich Seine eigentlich das Eure ist und es in Eurer Hand liegt, zuzuteilen was deren werden soll (schön gesagt, nicht?!)
    Eigentlich würde ich sagen, das ist hinzukriegen, aber ich kann natürlich nicht beurteilen, wie verhärtet die Fronten sind. Die Rüden liegen altersmässig dicht beieinander, da werden die rangbedingten Unterschiede nicht sehr deutlich. Wäre der eine 5 und der andere 2, sähe das schon anders aus.
    Um die Entscheidung zu treffen, ob einer zurück muß- und manchmal ist das traurigerweise der Weisheit letzter Schluss, weil es einfach nichts werden kann- würde ich mir an Eurer Stelle vorher einmal zumindest einen Hundetrainer ins Haus kommen lassen, der beurteilt, in welchem Rahmen sich die zwei bewegen, ob es was werden kann oder nicht.
    Ich würde es jedenfalls nicht einfach so aufgeben. Vielleicht brauchen sie auch einfach etwas mehr Zeit.

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