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Sommermorgen

Ayleen, Lulu, Moon und Kimba

Ich habe gerade die Türen unseres Häuschens geöffnet und es mir – mit Kaffee und Zigarette bewaffnet – auf einem Gartenstuhl bequem gemacht. Ich möchte die ersten Sonnenstrahlen genießen, bevor die große „Raubtierfütterung“ beginnt. Vor mir auf dem Rasen strecken sich gähnend die Hunde, rollen sich die Katzen wohlig im noch feuchten Gras, der freche Rabe Moon springt von einem zum anderen, pieckt hier in den Po und zuppelt dort am Schwanz.

Die drei Hähne nehmen unter dem Busch das erste Sandbad und die beiden Kitze knabbern sehr wählerisch und genüßlich ganz nach Rehmarnier an Halmen und Kräutern, um gleich darauf wie geölte Blitze durch den Garten zu schießen. Auch die gestern frei gelassene Elster Szu-Szu ist wieder da, läuft aufgeregt zwischen all den Tieren hin und her und macht lautstark darauf aufmerksam, daß sie nun wirklich langsam Hunger hat.

Und dann ist da noch Geronimo, unser tapferes „Schiefhalskaninchen“, der ganz offensichtlich nicht so recht weiß, wie die spielerische Umarmung von Katerchen Nanuk gemeint ist. Ich schnappe mir Nanuk und er wird zwangsgekuschelt, damit sich Geronimo in Ruhe über den Klee hermachen kann.

Ja, ich habe das Glück, mit vielen Tieren leben zu dürfen und das ist es, was ich immer wollte. Doch nie hätte ich es für möglich gehalten, so viele verschiedene Arten in friedlicher Eintracht um mich haben zu können. Denn – so freundlich und friedfertig sie hier auch alle sind – ich weiß, daß einige durchaus das Potential zum Töten haben, daß hier auch „natürliche Feinde“ miteinander leben.

Und gerade deshalb habe ich die größte Hochachtung vor diesen Geschöpfen, die einander respektieren, den nicht sehr großen Lebensraum miteinander teilen, immer wieder Neuankömmlinge freundlich aufnehmen, auch wenn es sich um Arten handelt, die sie noch nicht kennen, die eigentlich Nahrung für sie bedeuten, mit denen sie nicht kommunizieren können und mit denen sie nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Menschen teilen, sondern an die sie diese anfangs sogar gänzlich abtreten müssen.

Und wenn jemand sehr krank ist, wie jetzt gerade das Kitz Ayleen, dessen Leben über eine Woche lang am seidenen Faden hing, und eine Rundumbetreuung nötig ist, dann kommen alle anderen häufig sehr zu kurz. Doch es gibt keine Eifersüchteleien, keine Bosheiten, keine Seitenhiebe. Als hätten alle Verständnis und machten sich ebenfalls Sorgen, werden auch solche Zeiten geduldig mitgetragen.

Und ich frage mich leise, warum wir Menschen das nicht hinbekommen? Was ist bei uns schief gelaufen, daß sogar unsere eigene Art nicht vor uns sicher ist, wir in unserer Grausamkeit und Gleichgültigkeit nicht einmal vor den eigenen Kindern halt machen? Und den Kindern anderer Tiere in unserer Gier nach ihrem Fleisch ohne Skrupel die schlimmsten Quälereien zumuten, sie von ihren Müttern trennen, sie in Angst und Schrecken versetzen und ungerührt ihr Wehklagen überhören? Was sind wir Menschen für eine sonderbare Spezies, die immer nur auf das eigene Wohl bedacht ist … aber dennoch blind und mit unglaublicher Energie daran arbeitet, auch den eigenen Lebensraum zu zerstören?

Eine Spezies, die sich unvermindert vermehrt, ja, sich gegen alle anderen Arten rücksichtslos ausbreitet und dabei nicht erkennt, daß unser Globus nicht noch mehr von uns verkraften kann? Und ja, eine Spezies, die einfach keinen Frieden geben kann, nicht mit der eigenen Art, nicht mit der Natur und am allerwenigsten mit unseren Mitgeschöpfen. Eine Spezies, die bei aller hochentwickelten Intelligenz das Wichtigste verlernt hat: Respekt!

Düstere Gedanken für einen herrlichen Sommermorgen, aus denen mich das Spielgefiepe der Rehkitze reißt. Mein Blick fällt wieder auf die friedliche Gemeinschaft der vielen so unterschiedlichen Tiere um mich herum … ja, Respekt! „So, Kinners, und nun wird gefrühstückt!“




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