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Meerschweinchen
Meerschweinchen

Meerschweinchen und Kaninchen


Eigener Erfahrungsbericht von uns:

Wir hatten mal ein Kaninchen (Möhrchen) und ein Meeri (Erbse) bei uns im Tierschutz zur gleichen Zeit in Quarantäne. Als diese Zeit vorüber war, konnten wir die beiden allerdings noch nicht raus zu den anderen setzen, da es noch zu kalt war. Also dachten wir, bevor sie noch länger alleine sitzen, können sie auch zusammen in einem verbundenem Stall sitzen. Die beiden waren so süß zusammen: kuschelten, schliefen zusammen aneinandergekuschelt und putzten sich. Einfach göttlich. Wir dachten schon, dass wir sie nun nicht mehr trennen könnten und sie nur zusammen vermitteln können. Nun ja, wir setzten sie dann nach einiger Zeit ins große Gehege, in dem es Ninchen und Meeris gibt. Kaum waren sie im Gehege, lief Mörchen sofort zu den anderen Kaninchen hin und freundete sich mit ihnen an. Erbse wurde ab diesem Zeitpunkt nicht mal mehr mit ihrem Ninchenhintern angeguckt. Erbse guckte einige Zeit verdutzt und war ein wenig schüchtern, doch nach ner Zeit freundete sie sich mit ihren Artgenossen an. Soviel zum Thema Meeri – Kaninchen Liebe! Da sieht man mal, dass diese von ihnen gespielte ZWANGSliebe/-freundschaft für uns so echt und überzeugend wirkt, dass wir dieses Verhalten völlig fehl interpretieren! Und so kommen dann diese Gerüchte zustande (immer wieder in diesen tollen GU Büchern und überhaupt in diese dünnen Büchern aus der Zoohandlung zu finden -> Vorsicht: Ironie!): „Meeris und Kaninchen verstehen sich toll!“

Ich halte das für ziemlichen Unsinn. Zwar besser als einzeln, aber im Grunde fühlen sie sich doch alleine, denn eine Kommunikation zwischen beiden Arten ist nicht gegeben!

Richtige Tierhaltung
Meerschweinchen und Kaninchen -Bund fürs Leben?

Meerschweinchen bevorzugen Meerschweinchen-Gesellschaft – jetzt auch wissenschaftlich erwiesen!

Dass Meerschweinchen und Kaninchen keine ideale Kombination sind, wenn den Tieren nicht mindestens ein Soziapartner der gleichen Art zur Verfügung steht, ist neben Tierärzten, Verhaltensbiologen mittlerweile auch vielen Tierhaltern und Tierschützern bekannt.

Doch es gibt leider noch genau so viele Skeptiker, die nicht wahrhaben wollen, dass das was sie sehen – eine augenscheinlich enge Gemeinschaft ihres Kaninchens mit ihrem Meerschweinchen – nichts weiter ist als eine reine Zweckgemeinschaft, geboren aus Mangel an Alternativen.
Obwohl sich schon viel bei der Haltung dieser Tierarten getan hat – große Käfige verdrängen kleine Standardbehausungen, die Einzelhaltung dieser Tierarten geht zurück, das Wissen um die richtige Ernährung der Tiere steigt, ist gerade in diesem Punkt noch immer viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten.
Die Wissenschaft als Wegbereiter für die Heimtierhaltung

Unterstützung bekommen die Tierschützer bei dieser oft undankbaren Aufgabe diesmal sogar seitens der Wissenschaft

Wie Christian Ehrlich, Redakteur der Rodentia, des bekannten Kleinsäuger-Fachmagazins, in seiner aktuellsten Ausgabe berichtet, gibt es tatsächlich eine bislang unveröffentlichte Studie zum Thema „Ist die Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und Meerschweinchen eine zu empfehlende oder zu vermeidende Haltungsform?“.
Durchgeführt wurde diese Studie bereits im Jahr 1996 durch die Wissenschaftler und Verhaltensforscher HESSE und SACHSER. Keine unbekannten Größen in der Meerschweinchenwelt – ist doch vor allem Sachser durch seine vielfältigen Publikationen zur Meerschweinchensozialisation und zum Meerschweinchenverhalten in der Fachwelt wohlbekannt.
Präferenztests lassen Meerschweinchen zu Wort kommen

Stützen sich bislang alle Meinungen und Aussagen zum Thema auf reine nicht objektiv messbare Verhaltensbobachtungen, so war es in der Studie durch Hesse und Sacher erstmals das Ziel, die Meerschweinchen selber zu diesem Thema zu „befragen“ und ihre „Antworten“ für den Menschen auswertbar und damit sichtbar zu machen.

Mittel zum Zweck waren dabei zwei sogenannte Präferenztests, bei denen der gesamte Versuchsaufbau derart gestaltet ist, dass den Tieren eine Wahl zwischen zwei oder mehreren Alternativen bleibt, sie Entscheidungen selber fällen müssen, die ihre Lebensumstände direkt beeinflussen.

Der Versuchsaufbau
Insgesamt wurden 2 unterschiedliche, jedoch einander ähnelnde Versuche durchgeführt: Es handelte sich jeweils um 2 Käfige, die mittels Tunnel verbunden waren, einem Tunnel, der ausschließlich durch sehr kleine Meerschweinchen im Alter von 30 Tagen passierbar war. Für die Versuche wurde in Käfig 1 entweder ein älteres Meerschweinchen oder ein Kaninchen platziert, während Käfig 2 jeweils mit den kleinen Meerschweinchen bestückt wurde. Gezählt wurden dann die Zahl der Übergänge der kleinen Meerschweinchen zu dem größeren Meerschweinchen, bzw. Kaninchen in Käfig 1 sowie die Aufenthaltsdauer der kleinen Tiere in Käfig 1. Zusätzlich wurde ein Protokoll über die auftretenden Verhaltensweisen der Tiere im direkten Kontakt miteinander angefertigt.

Das Ergebnis
Das Ergebnis brachte es klar an den Tag: hatten die Meerschweinchen die Möglichkeit alleine oder mit einem anderen Meerschweinchen zusammen zu leben, so entschieden sie sich in 80% der zur Verfügung stehenden Zeit für das Zusammenleben mit dem Artgenossen. Ohne Artgenossen, nur mit einem Kaninchen als Sozialpartner, war es den Meerschweinchen in 60% der Zeit lieber, ganz alleine zu sein, als Ihre Zeit mit diesem Kaninchen zu verbringen. Die Aufzeichnungen über die beobachteten Verhaltensweisen während des Versuchszeitraums unterstützen dieses Ergebnis: Meerschweinchen in reiner Kaninchengesellschaft fliehen und erstarren häufiger vor Angst, sie verlernen meerschweincheneigene Verhaltensweisen und Sprache und sie missverstehen gutgemeinte Kaninchen-Annäherungsversuche als Drohgebärden.

Die Schlussfolgerung
Die Frage „Ist die Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und Meerschweinchen eine zu empfehlende oder zu vermeidende Haltungsform?“ ist aufgrund dieser Ergebnisse demnach eindeutig mit einem klaren Nein zu beantworten, genau so wie die Frage, ob Einzelhaltung von Meerschweinchen tiergerecht ist oder nicht mit Sicherheit verneint werden kann. Jeder verantwortungsbewusste Tierhalter wird hieraus seine Konsequenzen ziehen müssen, denn die Argumente sind stichhaltig.
Was nun noch fehlt ist ein ähnlicher der Versuchsaufbau, der den Kaninchen die Frage nach dem richtigen oder falschen Zusammenleben stellt. Dass auch Kaninchen mit Meerschweinchen nicht viel anzufangen wissen, dürfte sicher sein, aber sind sie tatsächlich auch – wie immer noch stellenweise propagiert – gar keine gesellig lebenden Tiere, sondern Einzelgänger…….?

Quellennachweis:
Ehrlich, Chr. (2002): Klarer Wahlausgang – Wissenschaftler befragten Meerschweinchen zum Thema Kaninchen. Rodentia 10/2002, 25-26
HESSE und SACHSER (1996): Verhaltensbiologische Untersuchungen zur Gemeinschaftshaltung von Hausmeerschweinchen und Zwergkaninchen. Unveröffentlicht.
von Alexandra Broich

Links zum Thema:
Prof. Dr. Norbert Sachser | Rodentia
Haltung eines Kaninchens und eines Meerschweinchens www.kaninchentreff.de (unter FAQs)




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